02.10.2021

Potsdam im Finale der Bundesliga

An einem spannenden Judonachmittag in Spremberg setzte sich Potsdam im Kampf um den zweiten Finalplatz der 1. Bundesliga Nord durch. Spremberg steht am Ende auf Platz 4 der Tabelle. 

Bundesliga in Spremberg – die Stimmung gleicht gewöhnlich einem Hexenkessel. Und es sollte auch diesmal so werden. Der Kampftag mit dem Spitzenduell zwischen den beiden Brandenburger Mannschaften und als Gast noch die Mannschaft von Herta Walheim begann gleich stimmungsvoll.
Zunächst kämpften die Potsdamer gegen die Walheimer. Potsdam legte sofort furios vor, siegte Kampf um Kampf und bot reichlich gutes Judo. Nach der ersten Runde war das Ergebnis mit 7:0 sehr eindeutig, aber dafür mussten die Potsdamer auch hart arbeiten. 
Auch in der zweiten Runde ging es so weiter. Hertha Walheim kam kaum zum Luftholen, die Stimmung der Potsdamer wurde immer fröhlicher und lauter – dafür die Walheimer immer leiser. Erst der vorletzte Kampf zwischen Ramon-Orak Ates und Silas Dell ging bereits nach knapp über einer Minute zugunsten der Walheimer aus.  Ein Ehrenpunkt. Am Ende hieß es 13:1 und es war klar, dass Potsdam nichts anbrennen lassen wollte in der Mission Finale.


Für die zweite Begegnung Spremberg gegen Hertha Walheim plötzlich ein ganz anderes Bild der Gästemannschaft. Nach der hohen Niederlage gegen Potsdam wollten sie deutlich zeigen, dass sie mehr als nur verlieren können. Deutlich selbstbewusster kämpften sie schnell ein 2:0 heraus. Elias Kroll trotzte dann dem Belgier Pieter Vandyck im Golden Score einen Ippon ab und alle hofften, dass damit bei den Sprembergern ein Knoten geplatzt sein könnte. Weit gefehlt, die nächsten drei Kämpfe gingen wieder an Walheim. Erst Vincent Giller schaffte den zweiten Sieg für die Gastgeber. Mit 2:5 lagen damit die Spremberger fast aussichtslos hinten und Trainer Mike Göpfert gab in der Pause eine entsprechende Ansage


Luc Meyer als Auftaktkämpfer gab die Richtung vor und löste seine Aufgabe nach 90 Sekunden mit Ippon. Auch Elias Kroll und Hratschik Latschinian punkteten für Spremberg. Vincent Giller steuerte noch einen weiteren Punkt bei, da Walheim nicht besetzen konnte. Dennoch, es reichte nicht für einen Sieg oder ein Unentschieden. Am Ende trennten sich beide Mannschaften mit einem 6:8 und damit war der Traum vom Finale weitestgehend geplatzt. Es hätte nur noch ein Sieg gegen Potsdam retten können, der jedoch in der Konstellation der Mannschaft relativ unmöglich erschien. „Wir sind ja heute schon einsatzgeschwächt reingegangen, hatten aber dennoch damit gerechnet, gegen Walheim gewinnen zu können“, sagt Trainer Mike Göpfert enttäuscht nach dem Kampf. 


Die dritte Begegnung, das Brandenburg-Derby zwischen Spremberg und Potsdam, ist schon seit Jahren eine stimmungsvolle Begegnung beider Mannschaften. Beide hatten ihre Pauken positioniert, die Zuschauer und die aus Potsdam angereisten Fans sich ebenfalls. Die Halle glich einem Hexenkessel. 


Die Potsdamer demonstrierten in jedem Kampf ihren unbedingten Siegeswillen und zogen wie schon in ihrer ersten Begegnung gegen Walheim durch. Tolle Techniken, teilweise sehr schnelle Ippons und am Ende hieß es 0:7 für Potsdam. 
Die Spremberger waren wie gelähmt. „Nach der Niederlage gegen Walheim war der Wurm drin und wir kamen nicht mehr in den Flow, um nochmal aufzutrumpfen“, sagt Mike Göpfert kopfschüttelnd über das Ergebnis. Auch half letztendlich seine Ansprache in der Pause nicht mehr viel. Potsdam hatte mit dem haushohen Sieg in der ersten Runde so ein großes Polster, dass sie fünf Sportler auswechselten, um auch den jüngeren Judoka eine Plattform zum Kämpfen zu geben. Dennoch zogen sie im Eiltempo durch die zweite Runde. Erst im letzten Kampf trotzte Maximilian Zimmermann den Potsdamern einen Ehrenpunkt ab. Bereits nach einer Minute führte er gegen Florian Hecht mit Waza-ari und erkämpfte wenige Sekunden vor Ende noch den zweiten Waza-ari. Damit ging auch diese Begegnung mit 1:13 aus. 


 


„Als Saisonziel waren eigentlich mehr als fünf Siege ausgegeben, aber das haben wir nicht geschafft. Wir hatten uns heute wirklich etwas mehr ausgerechnet“, sagt Vereinsvorsitzender Dirk Meyer. „So ist halt Sport“, resignierte er schulterzuckend. 


Die Potsdamer hingegen haben ihr Saisonziel erreicht. „Es war ein geiler Kampftag! Wir haben das so nicht erwartet“, sagt Christopher Schwarzer, Trainer der Potsdamer. „Wir wollten ins Finale und haben alles dafür gegeben. Und wir haben ein sehr gutes und junges Team und freuen uns nun auf das Finale.“

Fachsimpeln am Rande in der Kampfpause


Auch die Spremberger setzen auf die Jugend. „Nächste Saison greifen wir wieder an“, sagt Dirk Meyer selbstbewusst. Auch Mike Göpfert sieht das als Aufgabe. „Wir wollen auch in der Zukunft den Junioren eine Plattform bieten, sich in der Bundesliga zu beweisen und sich weiterzuentwickeln.“


 


Eine formulierte an diesem Nachmittag ihre Begeisterung für Judo ebenfalls ganz offen. Die Bürgermeisterin der Stadt Spremberg, Christine Herntier, die bereits zu Beginn die Grußworte der Stadt überbrachte, ist stolz, eine Bundesligamannschaft im Judo in der Stadt zu haben. Dafür unterstützt die Stadt auch ihre Mannschaften erheblich. Immerhin hat die Kleinstadt mit etwa 22.800 Einwohnern neben Judo auch noch Landesleistungsstützpunkte für Schwimmen, Kanu und Leichtathletik. Die Förderung des Sports vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit liegt ihr dabei besonders am Herzen. „Ich bin jetzt seit acht Jahren Bürgermeisterin und wenn ich zu Hause war, habe ich keinen Kampftag verpasst. Es ist für mich selbstverständlich, als Bürgermeisterin an den Kampftagen dabei zu sein“, outet sie sich als Fan der Judoka. Und etwas verschmitzt fügt sie hinzu: „Mittlerweile verstehe ich auch einiges, was da so passiert auf der Matte.“ Gerade diese strikten Regeln in einer Kampfsportart faszinieren sie besonders. 



Vorbilder - ein junger Fan mit Krisztian Toth


Birgit Arendt


Achtung

Positionspapier des DOSB zur Inklusion