07.10.2019

Judosport und Kultur

Judoka aus Jänschwalde, Drachhausen und aus Bad Belzig trainieren mit Olympiastarter Simon Yacoub in Leipzig und besuchen die Bundesliga
Ziel der Reise war ein Training beim Olympiastarter und WM-Teilnehmer Simon Yacoub und im Anschluss der Besuch der Judobundesliga. Da dies aber erst alles am Nachmittag stattfand, gab es vorher etwas Kultur. Zunächst Augustusplatz und Mädler Passage. Dort befindet sich eine ganz besondere Lokalität. Leider war der Name den Jugendlichen fast allen unbekannt. Kein Wunder, wenn Goethes Faust aus dem Lehrplan der Abiturjahrgänge gestrichen wurde. Getreu Goethes Zitat „… es irrt der Mensch so lang er strebt.“ Daher war Auerbachs Keller in Leipzig Pflicht. Nach einigen Worten zu Faust, Mephisto und Co setzte sich die Gruppe vor der Skulptur von Goethe in Szene. So wurde wenigstens eine Bildungslücke ein wenig kompensiert.
 
Weiter ging es über die Nikolaikirche hin zum alten Konsument-Warenhaus, auch „Blechbüchse“ genannt. Auch hier wechselte der Trainer kurz in die Rolle des Geschichtslehrers. Vor 30 Jahren wurde hier mit den friedlichen Montagsdemos der Grundstein für die Wende gelegt. Das wussten die Sportler, die über zehn Jahre später geboren wurden, keiner so richtig. Auch ein wichtiger Teil Deutscher Geschichte, der aus den Lehrbüchern verschwunden ist. Nachdem man den Pfad der Demos bis zur Blechbüchse gefolgt war, ging es noch auf die Plattform des Uni-Riesen. 
Trotz schlechten Wetters und sehr kaltem Wind konnte man noch auf einige Punkte verweisen, für die Leipzig steht. Zum Beispiel Völkerschlachtdenkmal, Zoo und für Sportler ganz wichtig: die Gebäude der DHfK mit angrenzenden Olympiastützpunkt und Zentralstadion.
Nach dem Crashkurs zur Geschichte ging es zum Training mit Simon Yacoub. Der Trainer des JC Leipzig startete 2016 in Rio für Palästina und war unter gleicher Flagge WM-Starter. 

Yacoub eröffnete das Training mit einer kompakten Fitnessübung, die nicht unbekannt war: den Unterarmstütz oder neu „Plank.“ Aufgabe war es, fünf Minuten durchzuhalten. Alle schafften mindestens zwei Minuten, auch die reifere Jugend. Einige wenige standen mit Simon die vollen fünf Minuten durch. Und er schaute genau, wer sich nicht an die Kriterien hielt. Im Weiteren zeigte er Möglichkeiten des Griffkampfes in Verbindung  mit Fußtechniken für das Eröffnen oder Kombinieren der eigenen Spezialtechnik. Der Drachhausener Louis Lehmann avancierte dabei zu Simons Trainingspartner. Keineswegs eine Last sondern vielmehr spricht es für einen, wenn ein Olympiakader einen als Trainingspartner zu Demonstrationszwecken auswählt. 
Gespickt waren seine Ausführungen von Anekdoten von großen Wettkämpfen und erfolgreichen Sportlern. Er machte deutlich, von welchen Faktoren der Erfolg im Wettkampf abhängig ist und stellte die Aufgabe, in der anschließenden Bundesliga- Begegnung darauf zu achten, wer das macht und wer am Ende Sieger ist. 
Er demonstrierte aus einem Griff mehrere Möglichkeiten je nach Ukes Reaktion. Auch wenn der eigene Griff mal nicht optimal gesetzt werden konnte, gab er Beispiele, wie mit leichter Modifikation in der Situation trotzdem erfolgreich geworfen werden konnte. Zwischendrin wurde natürlich immer wieder geübt und Trainer Yacoub ging dabei durch die Reihen und gab weitere Tipps, auch wenn was nicht gleich funktionierte. „Erwähnt werden muss hier ebenfalls, dass wir auf der aufgebauten Bundesligamatte trainieren durften und man so ab und zu sein Tun auf der Videoleinwand beobachten konnte“, sagt Daniel Klenner. 
Bundesliga-Gegner des Leipziger Teams war kein geringerer als der TSV Abensberg. In Judokreisen der FC Bayern. Man sah als Abschluss eines interessanten Tages eine interessante und abwechslungsreiche Partie, in der auch der eine oder andere Name der Nationalmannschaft auf der Tatami zu finden war. Auch wenn der Gastgeber aus sportlicher Sicht das Nachsehen hatte, trübte das den Eindruck nicht.
Nach Abpfiff der Begegnung wertete die Trainingsgruppe dann noch die gestellte Aufgabe aus. Das Fazit war, viele haben nicht mit Fußtechniken gestört oder vorbereitet. Aber die, die es getan haben, waren am Ende Sieger des Kampfes. 

Daniel Klenner
Fotos: Gina Becker

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